Orthokeratologie

Was versteht man unter Orthokeratologie?

Unter Orthokeratologie versteht man eine spezielle Anpass-Technik von formstabilen Kontaktlinsen. Bei dieser speziellen Vermessungs- und Berechnungstechnik wird durch gezielten Einsatz einer genau kalkulierten Kontaktlinsenrückfläche die Dicke der Epithels der Hornhaut so verändert, dass nach Abnahme der Kontaktlinse die volle relative Sehschärfe besteht. Die Orthokeratologie (OK) wird bereits seit Jahrzehnten erfolgreich im militärischen Bereich problemlos angewendet.
Moderne, hochsauerstoffdurchlässige Materialien sowie neueste CNC-Technologien ermöglichen Rückflächengeometrien der OK-Kontaktlinsen welche nun vermehrt im kommerziellen Bereich Anwendung finden. Diese hoch sauerstoffdurchlässigen OK-Kontaktlinsen verändern während der Nacht einen definierten zentralen Bereich der Hornhaut. Während des Schlafens wirkt die OK-Linse mit ihrem speziellen Aufbau gezielt auf den Tränenfilm des Auges, ohne das Auge zu berühren. Die Epithelzellen der Hornhaut werden verlagert. Bei einer vorliegenden Kurzsichtigkeit wird die Hornhaut abgeflacht und sphärischer. Die vorhandene Kurzsichtigkeit und ein kleiner bis mittlerer Astigmatismus kann bis gegen Null reduziert werden. Dieser Effekt bleibt während des Tages erhalten, sodass der OK-Anwender den ganzen Tag ohne Brille oder Kontaktlinsen gut sehen kann.
OK wird ausschließlich aus dem hochsauerstoffdurchlässigen Material Paragon HDS-100 oder Boston XO hergestellt. Diese Materialien sind zurzeit die einzigen von der FDA (USA) zugelassenen Materialien für Benutzung in der Schlafphase.

Was sind die wesentlichsten Vorteile von OK?

• Eine gute Alternative zur refraktiven Chirurgie (nicht reversibel).
• Die Methode ist seit Jahrzehnten bewährt und sicher.
• Der Prozess ist völlig reversibel.
• Das Tragen von Brille oder Kontaktlinse am Tage ist nicht mehr nötig.
• Sehr schnelle Gewöhnung

Anwendung

OK-Linsen werden üblicherweise über Nacht, während der Schlafphase getragen. Das bedeutet, aufsetzen der OK-Linsen vor dem Schlafengehen und morgens absetzen der OK-Linsen.
Die vollständige Anpassungsphase bei höheren Fehlsichtigkeiten an die OK-Linsen kann bis zu 4 Wochen dauern. OK-Linsen können aber auch während des Tages getragen werden, dann besteht volle relative Sehschärfe in der Nacht ohne Benutzung einer Korrektion. Dieser flexible Tragemodus ermöglicht also volle Sehschärfe wenn die OK-Linsen aufgesetzt sind sowie wenn sich diese nicht am Auge befinden und das hat bei bestimmten Berufsgruppen wie Feuerwehr, Polizei, Flugpersonal, Sicherheitsberufe und dergleichen mehr erhebliche Vorteile.

Ergeben sich auch Nachteile?

Bis zur vollständigen Adaptierung des Hornhautepithel’s bei der Antragephase sowie die vollständige Rückentwicklung des Epithel’s beim Absetzen der Orthokeratologie (Verlust der OK-Linsen) besteht eine reduzierte Sehschärfe bei Benutzung der Brille. Es empfiehlt sich daher ein Reservelinsen-Paar. Aus Sicherheitsgründen (besonders im Straßenverkehr) sind die OK-Linsen immer mitzuführen und aufzusetzen für den Fall, dass die Sehschärfe schwankt bzw. die OK-Linsen länger als sechzehn Stunden nicht getragen wurden. In der Dämmerung und Dunkelheit kann es anfänglich zu Reflexen (Streuungen bei Lichtquellen) führen. In diesen Fällen empfehlen wir das Aufsetzen der OK-Linsen.