sehen ist wahrnehmen

Sehen ist Für-Wahr-Nehmen

Will man verstehen, wie „Sehen“ funktioniert, muss man sich außer mit physikalischen Erklärungen besonders mit der Kognitionswissenschaft befassen. Diese rechtfertigt mittlerweile ganz wissenschaftlich die jahrtausendalte Skepsis der Philosophen, ob dem Menschen überhaupt eine objektive Wirklichkeit zugänglich ist. Ist das, was wir sehen, Wirklichkeit oder „nur“ die Konstruktion unseres Gehirns? Heute ist nachgewiesen, dass Letzteres zutrifft. Für das Sehen bedeutet das: Wir können objektiv keine reale Welt sehen.

Einige kognitionswissenschaftliche Eckpunkte und zentrale Erkenntnisse machen diese Erkenntnis klarer: Die Informationen, die von den Sinnesrezeptoren der Augen an das Gehirn geleitet werden, sind bedeutungsneutral. Erst im Gehirn wird diesen Signalen auf der Grundlage von Erfahrungen Bedeutung und Sinn zugewiesen. Was Menschen sehen und wahrnehmen, ist daher ihre Konstruktion der Wirklichkeit. Der Kybernetiker Heinz von Foerster formuliert daher auch: „Die Umwelt, die wir wahrnehmen, ist unsere Erfindung.“

Sehen Sie es wirklich?

Hier sehen Sie ein paar Beispiele, die Ihnen die Konstruktionsleistung unseres Gehirns vor Augen führen.

Das kleine Quadrat hat in allen großen Quadraten die gleiche Farbe. Dennoch scheint das kleine Quadrat aufgrund seines Kontrastes zu den großen Quadraten von links nach rechts immer dunkler zu werden.

Die optische Täuschung beim Hermann-Gitter.
Unser Gehirn läßt uns graue Punkte in den Ecken der weißen Linien sehen, die jedoch nicht wirklich existieren. Dies geschieht auch dann, wenn Sie das Gitter in kontrastierenden Farben sehen.

Der von großen, schwarzen Punkten umgebene rosafarbene Kreis scheint kleiner zu sein als der rosafarbene Kreis zwischen den kleinen schwarzen Punkten. In Wirklichkeit jedoch haben beide rosafarbene Kreise genau die gleiche Größe.